Hypnose-Ausbildung in Hamburg und Berlin | Hypnosetherapie

Hypnosetherapie



Einführung in die Hypnosetherapie

Hypnose und Angst

Hypnose und Übergewicht

Hypnose und Raucherentwöhnung

Hypnose und Depressionen

Vorgespräch (Anamnese) der Hypnosetherapie

Abstand zwischen den Hypnosesitzungen

Nutzung der eigenen Intuition

Tipps zur Behandlung bei Ängsten

Erläuterung zur R2C Hypnose

Soziale Phobie

Hypnose und Gefühlsreaktivierung

Das Matroschka- Prinzip

Perspektiven in der Trance

Übungsfälle aus der Hypnosepraxis



Einführung in die Hypnosetherapie

In Deutschland behandeln Ärzte, Psychologen und Heilpraktiker mit einem hohen persönlichen und zeitlichen Einsatz psychisch kranke Menschen. Die bisherigen Therapieansätze sind häufig langwierig und weit weniger erfolgreich als es angenommen wird. Was ebenfalls vielfach verschwiegen wird: viele klassische Therapien scheitern schlichtweg. Im schlimmsten Fall wird am Ende dem Patienten die Schuld am Versagen der Therapie gegeben. Der Patient hätte besser mitarbeiten, sich mehr öffnen oder mehr Einsicht haben sollen. Die Schuld für erfolglose Therapie liegt aber in den meisten Fällen nicht an den Patienten, sondern an den Therapeuten und an den wenig erfolgversprechenden Verfahren, die angewandt werden.

Verantwortlich, weshalb viele Menschen mit der Hilfe konventioneller Psychotherapien nicht zum Ziel kommen, sind mehrere Faktoren. Der wichtigste Grund, weshalb viele Wach- Psychotherapieverfahren häufig nicht die erwünschten Ergebnisse bringen, stellt die kognitive Hemmung dar. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus unseres Gehirns, der dafür sorgt, dass im Wachzustand die Wahrnehmung von Gefühlen durch unsere Verstandesaktivität eingeschränkt wird. Dieser Mechanismus dient dazu, die Vielzahl der Gefühle, die wir in uns tragen nur „bei Bedarf“ auszulösen. Und er ist die größte Hürde für die Therapeuten der Wachtherapien. Viele von ihnen sind sich darüber im Klaren, dass Gefühle die Auslöser für psychische Erkrankungen und schädliche Handlungsmuster sind. Sie versuchen, einen Zugang zu Gefühlen im Wachzustand herbeizuführen. Ein wirklich mühsames und selten erfolgreiches Unterfangen. Durch viele Feedbacks aus meiner Hypnose- Praxis in Hamburg weiß ich, was alles versucht wird, um Menschen an ihre Emotionen heranzuführen. Die einen weisen Patienten an, auf eine Matratze einzuschlagen und sich dabei vorzustellen, ihren Vater vor sich zu haben. Die anderen hoffen, ihre Patienten im freien Tanz oder durch eine raffinierte Traumdeutung an ihre Gefühle heranzuführen. So sehr ich diese Versuche verstehe und honoriere, dass es Therapeuten gibt, die mit ihren Patienten tiefer gehen möchten als nur zu sprechen, so sehr musste ich doch durch die Resonanz von Patienten, die solche Ansätze in Anspruch genommen haben, feststellen wie unregelmäßig und wie wenig tief solche Versuche die Menschen tatsächlich in die Emotion bringen.

Anders arbeiten Verhaltenstherapeuten. Sie setzen wie der Name schon sagt primär auf der Handlungsebene an. Ganz ehrlich, ich beneide sie nicht um ihre Arbeit. Da sich fast alle Handlungsmuster von der Fühlebene ableiten, ist die Änderung des Verhaltens selber mit einem hohen Einsatz von Therapeuten wie Patienten verbunden. Wie langfristig die Ergebnisse sind, die über die Verhaltenstherapie erreicht werden sieht man an den Patienten, die nach mehreren Verhaltenstherapien eine Hypnosepraxis aufsuchen, um ihre Probleme an der Wurzel anzupacken. In meinen Augen funktioniert Verhaltenstherapie noch am besten von den drei klassischen Psychotherapie- Methoden, hat aber ihre Einschränkungen. Vor allem dort, wo Gefühle aus der Kindheit Verhaltensweisen reproduzieren, kämpft man als Verhaltenstherapeut gegen Windmühlen. Viel leichter ist es, das Problem an der Wurzel anzugehen anstatt nur das Unkraut an der Oberfläche zu bekämpfen.

Hypnosetherapie ist eine emotionsbasierte Form der Psycho- Therapie. Fast alle Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, weisen Probleme der Gefühle- und nicht des Denkens auf. Hypnose ist der Schlüssel, um planmäßig innerhalb von nur wenigen Minuten den Zugang zu Emotionen herzustellen. Hypnosetherapie nennt man das therapeutische Arbeiten im Zustand der Trance, sobald der Zugang zur Gefühlswelt da ist. Mit etwas Übung lässt sich in wenigen Minuten eine Trancetiefe erreichen, die es uns ermöglicht an alle relevanten Emotionen, auch die in der Kindheit erworbenen, heranzukommen und sie zu bearbeiten. Ein sehr geringes zeitliches Investment, wie ich finde. Und genau darum geht es in der Hypnosetherapie: die Menschen zeitschonend und langfristig von negativen Gefühlen zu befreien, Raum zu machen für positive Emotionen und die persönliche Entwicklung mit Sieben- Meilen- Stiefeln voranzutreiben. Sie merken, ich klinge euphorisch, und das zu Recht. So viele Menschen habe ich gesehen, die nach einer kurzen intensiven Hypnoseausbildung den Hilfesuchenden mehr bieten konnten und so viel bessere Ergebnisse erzielten als jahrelang ausgebildete Psychotherapeuten, die sich nicht nur durch ihre Ausbildung bis über beide Ohren verschuldet haben, sondern sich auch eingestehen müssen, dass die Ergebnisse ihrer Therapien limitiert sind. Viel zu lange hat man sich darauf konzentriert, wie lange und kostspielig eine Therapeuten- Ausbildung ist- um daran die Qualität festmachen zu wollen. Viel zu wenig hat man darauf geachtet, wie die Therapie- Resultate sind, die man nach der Ausbildung tatsächlich erzielt. Anders gestaltet es sich auf dem freien Markt der Therapeuten und Coachs, die nicht an das Kassensystem angeschlossen sind. Hier zählt nicht das Beschäftigt sein sondern es zählen einzig und allein die Ergebnisse der Behandlung. Wer hilft und heilt, bleibt auf dem Markt. Wer seinen Patienten und Klienten keinen Nutzen bringt, verschwindet.

Grundprinzipien der auflösenden Hypnose

Angenommen, Sie haben eine Reifenpanne, wie reagieren Sie? Reden Sie sich ein, wie zuverlässig die drei verbleibenden Reifen laufen? Nein, tun Sie nicht. Sie kümmern sich um den platten reifen. Die Frage war rhetorisch und genauso rhetorisch sollte die Frage sein, wie eine erfolgreiche Hypnosetherapie vonstatten geht: primär ressourcenorientiert oder problemorientiert?
Die Hypnosetherapie und insbesondere die von mir mitentwickelte auflösende Hypnose basieren auf dem Prinzip der Verarbeitung negativer Emotionen. Anders als die bekannten primär ressourcenorientierten Ansätze, die darauf abzielen, einen Bogen um die auslösenden Gefühle zu machen und die bereits vorhandenen Ressourcen zu nutzen, liegt der Fokus bei der Hypnosetherapie ganz klar auf der Problemlösung. Erfahrungen unzähliger Menschen, die eine ressourcenorientierte Behandlung hinter sich haben, belegen, dass das Arbeiten am Problem vorbei in der Praxis nur selten funktioniert. Menschen können lediglich dann auf Ressourcen zurückgreifen und sie für sich einsetzen, wenn der Zugang da ist. Wenn aber negative Emotionen den Zugang zu Ressourcen versperren, ist die Arbeit vergebens. Wenn Sie aus dem Fenster blicken und es in Strömen regnet, ist es schwer die Sonne zu sehen, oder nicht? Der Schritt der Auflösung negativer Gefühle muss an erster Stelle stehen, bevor mit der ressourcenorientierten Arbeit begonnen werden kann. Interessanterweise bekommen die Menschen im Laufe einer Hypnosebehandlung automatisch mehr Zugriff auf positive Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle- als Resultat der Minderung negativer Emotionen. Die vermehrte Wahrnehmung von positiven Emotionen und innerer Ressourcen ist ein natürlicher Teil eines inneren Heilungsprozesses, der sich nach der Verarbeitung negativer Emotionen einstellt. Und genau diesen Heilungsweg geht man mit der auflösenden Hypnose.

Hypnose und Angst


Illustration von Sylvia Wolf


Angsterkrankungen nehmen in der Hypnose- Praxis einen hohen Stellenwert ein. Dabei kann es sich um isolierte Ängste handeln oder um Ängste, die im Rahmen anderer Erkrankungen wie Depressionen, Burn- Out oder Schlafstörungen auftreten. Aufgrund der steigenden Häufigkeit von Angsterkrankungen und der geringen Erreichbarkeit durch die gewöhnlichen Wachverfahren besteht eine deutliche Versorgungslücke in diesem Bereich. Auch wenn durch Verhaltenstherapie und medikamentöse Therapie Verbesserungen von Angsterkrankungen erzielt werden können, arbeitet man mit Hypnose auf einer ganz anderen Wirkebene und kann den Menschen häufig ohne den Einsatz von Antidepressiva und Benzodiazepinen zu einer guten Lebensqualität verhelfen.

In der Hypnose kommt man in der Regel sehr leicht an Angstgefühle der Patienten heran, was durch den erleichterten Gefühlszugang, der mit der Trance einhergeht, bedingt ist. Da die Selbstheilungstendenz beim Reproduzieren von Ängsten in der Hypnose sehr hoch ist, sind die Hypnose- Anwendungen zum einen hocheffizient und zum anderen in vielen Fällen auch noch relativ einfach durchführbar. Die Ängste, die in der Hypnose abreagiert werden, können jedoch mitunter sehr heftig sein, so dass man als Therapeut entsprechend stabil und gelassen die Patienten bei dem Prozess der Angstauflösung begleiten können muss. Der Grad der Gelassenheit des Therapeuten nimmt mit der Zahl der durchgeführten Abreaktionen bei Ängsten und den erfahrenen Ausheilungen von Angsterkrankungen durch Abreaktionen stetig zu.

Kernelement der auflösenden Hypnose ist die Konfrontation mit dem Angstgefühl in der Trance. Solange der Patient vor seinen Ängsten davon läuft, erscheinen sie groß und übermächtig. In der Hypnose wird der Patient ganz gezielt mit seinen Ängsten konfrontiert. Nach dem Durchleben der Angstreaktion wird aus dem bösen Schlossgeist ein kleines Gespenst. Damit kann der Patient dann gut leben.


Illustration von Sylvia Wolf


Der Vorteil für die Patienten liegt darin, dass sich durch die Hypnose die Ängste meist innerhalb von nur kurzer Zeit deutlich lindern und auflösen lassen. Somit gehen mit der Hypnose bei Angst eine frühzeitige Entlastung und eine Verbesserung des psychischen Zustandes der Betroffenen einher. Häufig berichten die Betroffenen bereits nach der ersten Sitzung über eine deutliche Besserung der Symptomatik. In der Regel wird man jedoch eine Reihe von Hypnosen durchführen, bevor der Zustand der Betroffenen stabil ist.

Angsterkrankungen können vielfältige Ursachen haben, wobei in den meisten Fällen bereits früher durchlebte unverarbeitete Ängste und aktuelle Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Auch eine gewisse genetische Anfälligkeit, eine Prädisposition zur Entwicklung von Ängsten, spielt häufig mit rein. Die genetische Neigung zur Entwicklung von Angsterkrankungen ist jedoch in der Praxis zu vernachlässigen, da diese ohnehin nicht beeinflussbar ist und immer nur einen kleinen Teil der Erkrankung ausmacht. Wir Hypnosetherapeuten kümmern uns ausschließlich um die im Laufe des Lebens erworbenen Anteile der Angsterkrankung, die wir mit der Hypnose auch tatsächlich behandeln können. Durch die erhöhte Erinnerungsfähigkeit in der Hypnose, die Hypermnesie kommt es häufig zu emotionalen Altersregressionen. Die Betroffenen machen dabei in der Hypnose eine Zeitreise in die Vergangenheit und kindliche Angstgefühle werden nachgefühlt und mit dem Therapeuten aufgelöst. Dadurch können auch jahrelang zurückliegende Angsterlebnisse schnell aufgelöst werden. In vielen Fällen sind diese zurückliegenden Erfahrungen von den Betroffenen verdrängt worden und bilden die Basis für die Entstehung einer Angsterkrankung im Erwachsenenalter.

Bei Angsterkrankungen, die durch eine enorme aktuelle Überbelastung ausgelöst wurden und keine Wurzeln in der Kindheit haben, hat man es als Therapeut noch leichter, da man hier die Angst isoliert behandeln kann ohne in der Hypnose tiefenpsychologisch arbeiten zu müssen. In diesem Zusammenhang ist insbesondere der Burn- Out erwähnenswert, da schwere Formen des Burn- Outs sehr häufig mit Ängsten einhergehen. In diesen Fällen stellt die Angstbehandlung meist den Beginn der Therapie dar, um die Betroffenen schnell zu entlasten und den Weg für eine Beruhigung des übererregten zentralen Nervensystems zu bahnen.

Angst- Vermeidungsverhalten

Ängste gehen häufig mit einem Vermeidungsverhalten einher. Die Betroffenen berichten darüber, dass die angstauslösenden Reize von ihnen gemieden werden. Das Vermeidungsverhalten dient dazu, der subjektiv als unangenehm empfundenen Angst, die meist als übermächtig wahrgenommen wird, auszuweichen. Das Vermeidungsverhalten hat zur Folge, dass keinerlei Veränderung der internen Reizbewertung erfolgt. Die negative Besetzung einer bestimmten Situation bleibt im Gehirn bestehen. So lange die Patienten vor der Angst wegrennen, hat die Angst die Oberhand. Gerade aus dem Grund ist die Angstkonfrontation in der Hypnose so wichtig, um die Angst zu lösen.

Merke: Ziel der Hypnosebehandlung ist immer, das Vermeidungsverhalten durch Angstkonfrontation in der Hypnose zu unterbrechen. In der Trance kann man sich schrittweise dem Angstgefühl nähern.

Routine zum Vermeidungsverhalten und Heranführen an die Angst in der Hypnose: „Ich weiß, dass es bisher für Dich schwer war, die Angst auszuhalten. Vielleicht bist Du ihr sogar aus dem Weg gegangen. Doch die Angst hat nur dann Macht über uns, wenn wir vor ihr weglaufen. Wenn wir ihr begegnen, lässt sie sich auflösen. Lass uns nun gemeinsam der Angst entgegengehen. Du hast mir erzählt, dass die Angst dann besonders stark ist, wenn Du... Lass uns nun gemeinsam dieser Situation nähern. Schritt für Schritt kommt sie näher. So, als würde sich eine Tür öffnen. Wir sind mutig und gehen der Situation und der Angst immer näher. (Pause von 10-30 Sekunden) Was nimmst Du jetzt wahr?“

Anamnestisch ist immer auf ein Vermeidungsverhalten hin zu befragen. Im Laufe der Behandlung sind Veränderungen des Vermeidungsverhaltens, die von Patienten selber ausgehen, ein typisches Zeichen für eine Linderung der Angstreaktion. Dadurch, dass die Angst in der Hypnose gelindert wurde, trauen sich die Patienten wieder in die spezifischen Situationen hinein. Dort erleben sie dann keine oder nur noch verminderte Angstreaktionen. Ein typisches Feedback ist, dass Patienten darüber berichten, dass sie sich in einer bestimmten, früher angstauslösenden Situation befunden haben und regelrecht auf die Angst gewartet haben, diese jedoch nicht mehr aufgetreten ist. Dieser Aspekt zeigt deutlich, dass Menschen kognitiv länger brauchen, um eine Veränderung zu begreifen als die eigentliche Veränderung des Gefühls in Anspruch nimmt.

Routine: Patient gibt folgendes Feedback nach einer Sitzung: „Ich habe irgendwie darauf gewartet, dass ich Angst bekomme, der Gedanke war noch da, ich bin aber innerlich ganz ruhig geblieben.“ Therapeut: „So wie das klingt, haben Sie kopfmäßig noch daran gedacht, dass Sie in der Situation normalerweise Angst erleben, auf der Fühlebene hat sich die Angst jedoch schon so weit verringert, dass sie gar nicht oder kaum noch aufgetreten ist. Wenn Sie die Situation jetzt noch ein paar Mal positiv erleben, dann wird es auch kopfmäßig ankommen, dass Sie nun anders fühlen. Der Kopf braucht eben länger um die Veränderung zu begreifen als das Gefühl. Und das Schöne ist: Jedes Mal, wenn Sie die Situation nun positiv erleben, verstärkt sich diese positive emotionale Verknüpfung mit der Situation.“

Verhaltenstherapie versus Auflösende Hypnose
(Auszug aus meinem Buch Hypnosetherapie- auflösende Hypnose)

Verhaltenstherapeutisch wird in der Regel versucht, die Patienten ganz gezielt in die angstauslösenden Situationen hineinzuversetzen und mit der Angst zu konfrontieren. Ziel ist hier, dass es –ähnlich wie bei der auflösenden Hypnose- mit dem Andauern der Angstreaktion zu einer Erschöpfung der Reaktion und einer Neubewertung der Situation kommt. Das verhaltenstherapeutische Vorgehen funktioniert, weist gegenüber der auflösenden Hypnose aber eine Reihe von Nachteilen auf. Folgende Nachteile der konfrontativen Verhaltenstherapie gegenüber der Hypnose gibt es:
  • Unüberwindbare Angstschwelle: In vielen Fällen ist die Angstreaktion derart massiv, dass es die Betroffenen schlichtweg nicht hinbekommen, sich mit dem angstauslösenden Reiz im realen Leben zu konfrontieren. Die Angstschwelle ist einfach zu hoch, so dass sie trotz der Anweisung, sich zu konfrontieren es nicht hinbekommen. Genau diese Schwelle wird dadurch reduziert, dass Patienten in der Hypnose gemeinsam mit dem Therapeuten einen Teil der Angstreaktion abbauen. Dadurch wird es in vielen Fällen überhaupt erst möglich, sich mit den angstauslösenden Situationen im realen Leben zu konfrontieren.
  • Alleine Sein: Nur wenige Verhaltenstherapeuten gehen tatsächlich gemeinsam mit ihren Patienten raus in das reale Leben und begleiten sie bei der Konfrontation. Damit werden viele Patienten in den entsprechenden Situationen dann am Ende doch alleine gelassen. In der Hypnose ist der Therapeut jedoch ein Begleiter der Angstreaktionen. Er dient als sicherer Halt, während die Patienten imaginär die Ängste durchleben.
  • Mangelnde Neubewertung: Bei vielen Patienten kommt es bei Konfrontation im Wachzustand zu einer Erschöpfung der Angstreaktion, nachdem diese eine Zeit lang durchlaufen wurde. Bei einigen Patienten kommt es jedoch nicht bis zu diesem Punkt. Wenn die Konfrontation vor dem Punkt der totalen Erschöpfung der Angstreaktion abgebrochen wird, brennt sich das Angstgefühl noch tiefer in dem Gedächtnisspeicher ein.
  • Geschwindigkeit: bei einer Verhaltenstherapie müssen sich die Patienten in der Regel sehr häufig mit der angstauslösenden Situation konfrontieren, um überhaupt eine Besserung zu bemerken. Im Zustand der Trance sind die Fähigkeit zur Neubewertung von Situationen und die Auflösung von Ängsten maximal beschleunigt. Manchmal ist man sogar als Therapeut überrascht, wie schnell sich auch lange bestehende Ängste in der Hypnose lösen. Ich behandelte einmal einen Patienten mit Bindungsangst. Wenn er neben einer Frau lag, bekam er ein Beklemmungsgefühl in der Brust und heftige Bauchschmerzen. In der Hypnose führte ich ihn die entsprechende Situation hinein und ließ ihn die Angstgefühle abreagieren. Der Vorgang dauerte lediglich fünf Minuten. Da der Patient aus Süddeutschland anreiste, sahen wir uns erst Monate wieder für einen Folgetermin. Er berichtete darüber, dass die früher bestehenden Angstreaktionen komplett verschwunden waren. Diese Behandlung hat wirklich Spaß gemacht, auch wenn es nicht immer so einfach ist. Man sieht an diesem Beispiel, wie schnell Emotionen in der Hypnose zugänglich gemacht und aufgelöst werden können, auch dann wenn sie schon lange bestehen.
  • Grenzen der Anwendbarkeit: Manche Ängste können mit der Verhaltenstherapie durch Reizkonfrontation aufgrund von tatsächlicher Gefahr für Leib und Leben nicht behandelt werden. Klassisch dafür sind Angstattacken beim Fahren auf der Autobahn. Eine Reizkonfrontation im realen Leben ist zu gefährlich und kann nicht verhaltenstherapeutisch angegangen werden. Im Zustand der Hypnose kann der Patient jedoch völlig gefahrlos imaginär auf der Autobahn fahren und dabei entsprechende Angstreaktionen abreagieren. Wenn der Patient dann in der Hypnose keine oder nur noch geringe Angstreaktionen erlebt, kann er sich wieder im echten Leben auf die Autobahn begeben.
  • Zwei-Ebenen-Prinzip: Ein entscheidender Vorteil der Hypnosebehandlung bei Ängsten liegt darin, dass der Patient zwei Ebenen, zwei Realitäten zugleich wahrnimmt. Die eine Ebene ist die der Realität: der Patient ist sich im Klaren darüber, dass er sich während der gesamten Anwendung in Sicherheit befindet, auf der Hypnose- Liege und in Begleitung des Hypnotiseurs. Die andere Ebene ist die Ebene des hypnotischen Handlungsstranges: der Patient erlebt imaginiert die angstauslösenden Situationen und die damit verbundenen Angstgefühle. Das Gehirn differenziert ab einer arbeitbaren Hypnosetiefe nicht mehr zwischen vorgestellt und real, es nimmt die innerlich durchlebten Szenen als völlig real wahr. Durch das Wirkprinzip der zwei Ebenen erlebt der Patient in einem Rahmen völliger Sicherheit, der Hypnose- Sitzung, Situationen völliger Unsicherheit, bei der sich seine Ängste lösen.
  • Mangelnde therapeutische Tiefe und Nachhaltigkeit: Bei der Verhaltenstherapie werden in der Regel die tiefenpsychologischen Ursachen komplett ausgeklammert und es wird an der Veränderung des Verhaltens gearbeitet, bei Ängsten mit Angstkonfrontation. Meist haben jedoch auch spezifische Ängste des aktuellen Lebens ihre Hintergründe in der Kindheit. Während der Kindheit durchlebte Angstgefühle werden bei den Betroffenen im realen Leben wieder reaktiviert. Eine Patientin, die Ängste wegen der Enge in U-Bahnen oder beim Fliegen erlebt, wird in vielen Fällen das Kerngefühl der Angst vor Enge schon als Kind erlebt und abgespeichert haben. Zum Beispiel dadurch, dass sie von ihren Eltern regelmäßig in einen Keller eingesperrt wurde. Ein anderer Patient leidet unter massiver Redeangst, weil er von seinem Vater während seiner Kindheit immer heftig kritisiert wurde und dieser ihm dadurch das Gefühl vermittelte, nicht gut genug zu sein. Solche während der Kindheit abgespeicherten Emotionen sind der Verhaltenstherapie nicht zugänglich. So kommt es häufiger vor, dass die alten Ängste nach Beendigung einer Verhaltenstherapie wieder auftreten, weil die ursprünglichen Angstgefühle nicht bearbeitet wurden. Mit der auflösenden Hypnose lassen sich jedoch ausgezeichnet solche kindliche, reaktivierten Gefühle über aktuelle Situationen anstimulieren und über Altersregressionen in die Kindheit im Kern auflösen.

» Übungsfall Angst: Die Spitze des Eisberges
» Übungsfall Angst 2: „Nichts geht mehr!“


Hypnose und Übergewicht

Patienten mit Übergewicht sehe ich in meiner Hypnosepraxis täglich. Dabei handelt es sich meist um Menschen, die bereits mehrere Diäten durchgeführt haben und dennoch ihr Zielgewicht nicht halten konnten oder noch weit davon entfernt sind. Wenn alles andere nicht hilft, dann sind viele Menschen bereit auch Verfahren in Anspruch zu nehmen, die mit Schulmedizin nichts mehr zu tun haben. Dazu gehört- insbesondere bei der Gewichtsreduktion- die Hypnose. Doch wie gehe ich als Hypnotiseur bei Übergewichtigen vor? Welche Behandlungsstrategien wende ich an? Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sage ich Ihnen vorweg, dass die Gewichtsreduktion mit Hypnose komplexer ist, als es sich die meisten Patienten und Therapeuten vorstellen. Auf der anderen Seite kann ich Ihnen auch zusichern, dass wenn Sie das Thema Übergewicht wirklich verstanden haben, Sie vielen Menschen die an Adipositas leiden mit Hypnose enorm helfen können.

Noch bevor wir überhaupt an Hypnose bei Übergewicht denken, geht es erst einmal darum, den Patienten kennenzulernen. Nur dann, wenn wir seine Geschichte kennen, können wir ihn gezielt behandeln. Gerade bei Übergewichtigen, deren hohes Gewicht trotz aller konventionellen Ansätze unverändert blieb, muss der Therapeut nach Ursachen schauen. Es ist zu klären, ob es Gefühle sind, die den Patienten zum Essen bringen. Wenn Sie Indizien dafür finden, dass der Patient aus emotionalen Gründen isst, dann sollten Sie sich in der Trance um die auslösenden Gefühle kümmern. Häufig sieht man, dass Patienten übermäßiges Essen als „Eigenmedikation“ benutzen um sich zu beruhigen oder Ängste zu kompensieren, auch unverarbeitete Trauer spielt oft eine Rolle. Wenn Sie diese Patienten mit der Hypnoanalyse behandeln, dann bemerken die Patienten in sehr vielen Fällen eine deutliche Veränderung des Essverhaltens und eine Gewichtsabnahme ohne dass Sie als Therapeut/in mit dem Patienten in der Trance das Thema Essen überhaupt angesprochen hätten. Fast ausnahmslos sind die Patienten dann überrascht, dass sie Gewicht verlieren, obwohl es in der Hypnose gar nicht um das Essen ging. Als behandelnder Therapeut muss man genügend Weitblick haben, um die Auslöser für übermäßiges Essen zu erkennen und zu behandeln. Die Behandlungen werden effektiver wenn man sich weniger mit dem Essen selber beschäftigt, sondern mit den Gefühlen der Patienten (dies gilt in demselben Maße für die Patienten). Falls Sie das Thema Emotionales Essen und Hypnose interessiert, dann finden Sie mehr Informationen in meinem Blog:

http://www.hypnosetherapeut-hamburg.de/blog/

Bei der Behandlung von Übergewicht mit Hypnose werden Sie jedoch auch Menschen begegnen, bei das Essen ein rein erlerntes Muster ist ohne eine hohe emotionale Komponente. Diese Menschen sprechen in der Regel sehr gut auf direkte Suggestionshypnosen. Vor allem dann, wenn eine gute Trancefähigkeit vorliegt. Wie Sie die Trancefähigkeit testen, dies können Sie bereits in meinem Einsteiger- Seminar erlernen. Da nicht in allen Fällen im Vorgespräch geklärt werden kann, ob es sich um emotionales Essen, um reine Gewohnheit oder eine Mischform handelt, kann man eine direkte Suggestionshypnose als Test verwenden. Je besser und langfristiger die Wirkung der Suggestionshypnose, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass emotionale Aspekte eine untergeordnete Rolle spielen.

Um aufzuzeigen, wie viele verschiedene Esstypen es gibt, hier eine Übersicht: Die Vorgehensweise bei den verschiedenen Esstypen lernen Sie in der Fortgeschrittenen- Ausbildung therapeutische Hypnose I:
  • Gewohnheitsesser ohne bedeutende emotionale Komponente

  • Gewohnheitsesser mit Gewichtszunahme im Alter durch Wechseljahre

  • Emotionaler Esstyp, Übergewicht durch Ereignis aus früherem Lebensabschnitt

  • Kombinierter Emotionaler Esstyp, Übergewicht durch Ereignis aus früherem Lebensabschnitt und aktuellen Belastungen

  • Emotionaler Esstyp, Übergewicht durch aktuelle Belastungen (Partnerschaft, Job, Familie, Trauer)

  • Emotional positiver Esstyp, Übergewicht durch positive Verknüpfung mit Essen seit Kindheit (Süßigkeitenschublade) ohne belastende Lebensereignisse

  • Emotionaler Esstyp, Vorliegen einer Depression und Essen als „Eigenmedikation“

  • Übergewichtiger unter pharmakologischem Einfluss (Antidepressiva, Pille)

  • Übergewichtiger bei körperlicher Ursache (Schilddrüse, Hypophysenadenom)

» Übungsfall Übergewicht und Burnout: schwerwiegende Probleme
» Übungsfall Selbstwert und Übergewicht: Iss dich glücklich


Hypnose und Raucherentwöhnung

Die Raucherentwöhnung mit Hypnose ist eine derzeit sehr häufig nachgefragte Anwendung. Aus Patientenfeedbacks lässt sich jedoch deutlich erkennen, dass ein Großteil der angebotenen Laien- Raucherentwöhnungen mit Hypnose qualitativ mit Mängeln behaftet ist. Hypnose muss -auch für eine einfache Raucherentwöhnung- gewisse Qualitätskriterien erfüllen, um den Menschen dabei zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Hypnose ist – wenn sie professionell angewandt wird- eine tolle Unterstützung für die Menschen, die wirklich aufhören wollen. Eine fundierte und praxisnahe Hypnoseausbildung ist die Grundvoraussetzung, Menschen planmäßig zu hypnotisieren und ihnen verschiedene therapeutische Optionen anbieten zu können. Wie so oft, ist es auch hier das genaue Zuhören, welches uns den Weg zum Erfolg bahnt. Jeder Mensch ist anders und nur dann, wenn wir ein Grundverständnis für den Menschen selber entwickeln, werden wir ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen. Hier finden Sie die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Raucherentwöhnung mit Hypnose.

1) Der Hypnotiseur muss die Hypnotisanden in eine ausreichend tiefe Hypnose bringen können und über ein fundiertes Hypnosewissen verfügen. Dieser Punkt allein schon ist bei den meisten Laien-Hypnotiseuren nicht gegeben.

2) Der Hypnotiseur muss über ein psychologisches Basiswissen verfügen. Hypnose ist immer Arbeit mit der Psyche, dementsprechend kann nur ein Mensch mit psychologischem Grundverständnis Hypnose wirkungsvoll und verantwortungsbewusst anwenden.

3) Bei den Anwendungen sollte auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten eingegangen werden.

4) Die Hypnosebehandlung sollte interaktive Elemente wie innere Suche nach alternativen Ressourcen, Future Time Projection, Regression, Refraiming und Symbolarbeit und ggf. Duft- Anker enthalten.

5) Der Hypnotiseur muss in der Lage sein, zu erkennen, ob eine Raucherentwöhnung wirklich Sinn macht. Häufig sieht man Angstpatienten, die sich in den Sinn gesetzt haben, sich mit Hypnose helfen zu lassen. Da die Patienten oft unschlüssig sind, ob ihnen mit der Hypnose geholfen werden kann, versuchen diese oft mit einem „kleinen Thema“ zu beginnen. Bei Angstpatienten spielt das Rauchen aber eine wichtige Rolle und darf nicht vor der Angstbehandlung stattfinden. Ein erfahrener Therapeut hat genügend Weitsicht, um zu sehen, dass eine Raucherentwöhnung bei einem Angstpatienten nicht klappen kann, weil das Rauchen eine Ressource gegen die Angst ist. Dementsprechend muss manchen Patienten, die eine Raucherentwöhnung anstreben, klargemacht werden, dass eine Raucherentwöhnung in ihrem Fall nur dann Sinn macht, wenn vorher eine ursachenorientierte Behandlung stattgefunden hat.

In der Grundausbildung therapeutische Hypnose lernen Sie, verschiedene therapeutische Strategien anzuwenden, um klientenorientiert für eine erfolgreiche Raucherentwöhnung mit Hypnose zu sorgen. Sie erlernen, wie man gezielt mit Bildern und kinästhetischen Reizen arbeitet. Sie erfahren, wie man die verschiedenen Repräsentätionstypen erkennt. Auch Duft/Stuhl- und Bodenanker gehören zu dem Ausbildungsrepertoire. Die analytische Hypnose, welche die Grundvoraussetzung für eine interaktive Arbeit darstellt lernen Sie ebenso zu beherrschen wie das Sprechen mit dem Unterbewusstsein über Fingerzeichen. Sie können so direkt an den Fingern sehen, ob das Unterbewusstsein mit „Ja“ oder „Nein“ antwortet. Dies ist eine sehr elegante Art und Weise, um den Verstand zu umgehen und mit dem Gefühl selber zu kommunizieren.


Hypnose und Depressionen

Im Rahmen meiner Hypnoseausbildung in Hamburg und Berlin gebe ich den Seminarteilnehmern die Möglichkeit, Depressionen zu verstehen und erfolgreich zu behandeln. Die Teilnehmer lernen die Abgrenzung von reaktiven Depressionen, die sich von allen Unterformen der Depression mit Hypnose am besten behandeln lassen, zu vorwiegend endogenen Depressionen und Depressionen, die im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen wie dem Borderline-Syndrom vorkommen.

Der Ansatz, den ich bei der Behandlung von Depressionen verfolge, unterscheidet sich von den gängigen psychotherapeutischen Verfahren und zeichnet sich durch eine hohe klinische Erfolgsquote aus. Um es vorwegzunehmen: der alles entscheidende Punkt bei der Entstehung von Depressionen sind unverarbeitete Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Scham oder Schuld. Die Summe aus den unverarbeiteten Gefühlen verändert die Funktionsweise des Gehirns so, dass die Betroffenen durch die belastenden Gefühle immer mehr in ein Energiedefizit kommen. Der Antrieb sinkt, das für depressive Menschen so typische Funktionieren funktioniert nicht mehr und die Betroffenen werden behandlungsbedürftig. Umso mehr wundert mich, dass in einigen therapeutischen Richtungen die depressiven Patienten wieder mit Medikamenten in die Mühle der Aktivität getrieben werden sollen. Kein Wunder, dass viele Patienten da nicht mitspielen können, solange das Energiedefizit weiter besteht und die wirklich belastenden Gefühle nicht nachhaltig aufgelöst werden.

Wie viele psychische Erkrankungen, nehmen Depressionen ihren Ausgang fast immer in der Kindheit. Gerade Menschen, die als Kinder von ihren Eltern emotional nicht angenommen werden, erfahren früh Gefühle von Ablehnung, Traurigkeit und Minderwertigkeit. Diese Gefühle prägen sich im emotionalen Speicher der Betroffenen ein und produzieren eigene Verhaltensweisen, die weitere emotionale Verletzungen fördern: eine mangelnde Fähigkeit zur Abgrenzung, Hang zur Selbstsabotage, u.v.m. Durch die emotionalen Verletzungen in der Kindheit prägt sich bei den Betroffenen unbewusst das Gefühl ein, diese negativen Gefühle zu verdienen und so ziehen diese Menschen später im Leben andere Menschen an, die genau diese inneren Glaubenssätze erfüllen.

Kinder, die nicht genügend Liebe von ihren Eltern bekommen, versuchen meist kompensatorisch mit besonders guten Leistungen die Liebe und Anerkennung der Eltern zu ergattern. Da Eltern, die selbst so problemüberladen sind, dass sie ihre eigenen Kinder nicht annehmen können, ihren Kindern die wirkliche Liebe niemals geben können, ist die Folge lediglich weitere Enttäuschung. Der Hang zum Perfektionismus bleibt jedoch bei den Kindern dieser lieblosen Eltern häufig bestehen. Die Betroffenen opfern sich für die Arbeit auf, sind für alle anderen verfügbar und immer hilfsbereit, um (unbewusst) das Defizit der elterlichen Liebe und damit ihre mangelnde Selbstannahme auszugleichen. Nach einer gewissen Zeit, meistens erst im Erwachsenenalter, haben die Menschen so lange fernab von ihren eigenen Bedürfnissen funktioniert und es haben sich so viele negative Gefühle angesammelt, dass ein Weitermachen wie bisher unmöglich wird: die bislang unterschwellige Depression wird manifest.

Praxisfall:

Vor einiger Zeit stellte sich eine schwangere Frau in meiner Praxis für ärztliche Hypnose in Hamburg vor. Die Frau hatte bereits eine mehrjährige Psychotherapie hinter sich und wollte an einer Blockade hinsichtlich ihres neuen Berufes arbeiten. Die Eltern hatten die junge Frau in ihrer Kindheit mit Brachialgewalt zum Spielen eines Musikinstrumentes gezwungen, mit dem Ziel, dass diese eine erfolgreiche Musikerin werde. Die Eltern waren beide selbst Musiker, hatten jedoch ihre eigenen Ziele nicht erreichen können. Daher projizierten diese ihre Wünsche auf die Tochter, die schon im frühesten Alter vom Vater zum ständigen und übermäßigen Üben des Musikinstrumentes gezwungen wurde. Obwohl die Tochter anfangs Freude am Spielen des Instrumentes hatte, verging ihr diese Freude mit dem immer größer werdenden Druck. Die Tochter wurde von den Eltern an einer normalen Entwicklung gehindert. Das Ausgehen mit Freunden, das Kennenlernen des anderen Geschlechts oder andere Hobbies waren tabu. Anerkennung gab es nur bei entsprechenden musikalischen Leistungen, während es eine normale, liebevolle Anerkennung der Tochter ohne Spitzenleistung nicht gab. Das Kind wurde mit Strenge zum Funktionieren gezwungen und funktionierte solange wie nur möglich. Als Jugendliche gelang es der Betroffenen ein Stück zu spielen, das so schwierig war, dass es keine weitere Steigerung gab. Daraufhin fiel die junge Frau in eine tiefe Depression. Daraufhin konnte sie das entsprechende Musikinstrument nicht einmal mehr berühren ohne heftige körperliche Reaktionen wie Übelkeit zu entwickeln.

Im Laufe einer Psychotherapie gelang es der Patientin, sich von den Erwartungshaltungen der Eltern zu lösen und ihr Leben selbst zu gestalten. Dazu gehörte unter anderem, eine Handwerkskunst, die sie sehr begeisterte, zu erlernen und der Musik den Rücken zuzukehren. Die talentierte und fleißige Frau lernte schnell und formte Kunstwerke, die sehr gut angenommen wurden. Allerdings hatte sie immer das Gefühl, dass sie ihre Eltern mit ihrer Berufswahl unglücklich machte und sabotierte so ihren Erfolg in dem neuen Berufszweigs. Die Ausübung ihres neuen Berufes war mit starken inneren Blockaden verbunden. Obwohl die Patientin durch ihren Ehemann und die bisherige Therapie schon große Schritte in Richtung Freiheit gemacht hatte, blockierte ihr Unterbewusstsein ihren eigenen Erfolg in dem neuen Beruf, der den Erwartungen der Eltern widersprach.

Nachdem ich die Patientin in die Hypnose geführt hatte, arbeitete ich als erstes an ihrer Arbeitsblockade. Ich forderte die Patientin auf, im Geiste an den Arbeitsplatz zu gehen und einfach mal abzuwarten, welche Reaktionen auftauchen würden. Bei Beginn der Beschäftigung, die ihr eigentlich viel Freude bereite, nahm die Patientin eine innere Stimme wahr, die ihr mitteilte, dass sie das nicht dürfe. Wir fanden heraus, dass die Stimme zum Vater gehörte, der nun gleich mitsamt der Mutter in der Hypnose erschien. Dieses Thema behandelten wir ausführlich, solange bis die Patientin mir mitteilte, dass sie das Gefühl habe, das sich etwas verändert habe.

In der zweiten Hypnose gelang es uns, die aufgestauten negativen Gefühle, die die Frau mit dem Spielen des Musikinstruments unter väterlicher Aufsicht verband, in mehreren Abreaktionen zu lösen. Dabei führte ich die Patientin in der Hypnose an das entsprechende Instrument heran und provozierte das Auftauchen und das Auflösen der negativen Gefühlsreaktionen. Im Laufe der Hypnose bemerkte die Patientin, dass sich die gefühlte Verbindung zu dem Instrument immer mehr löste.

Auch wenn in diesem Fall ein Kollege bereits gute Vorarbeit geleistet hatte, war es doch notwendig gewesen, in der Trance die emotional abgespeicherten Gefühle zu lösen und die Patientin von ihren blockierenden Gefühlen zu befreien. Ein lehrreicher Fall, wie ich meine. Typische Faktoren für die Entstehung einer Depression lassen sich hier klar erkennen: der Aufstau negativer unverarbeiteter Gefühle, mangelnde Elternliebe und Ablehnung gefolgt von Funktionieren und Verleugnung der eigenen Bedürfnisse als Reaktionsbildung auf die elterlichen Erziehungsfehler.

In meiner Intensivausbildung Therapeutische Hypnose lernen Sie, wie sie eben solchen Menschen, die an reaktiven Depressionen leiden, langfristig behandeln können. Auch wenn sich die Lebensläufe der einzelnen unterscheiden und Patienten immer individuell betrachtet werden müssen, gibt es doch einen roten Faden für die Entstehung und Behandlung von reaktiven Depressionen mit Hypnose. Folgt man diesem roten Faden und kennt die wichtigsten Aspekte der Einteilung und Behandlung von Depressionen wird der Behandlungserfolg in der Regel sehr gut sein.

Vielfach sieht man in der Praxis auch kompliziertere Fälle von Angststörungen, Depressionen und Mischbildern. Dies hängt damit zusammen, dass Ängste Depressionen auslösen können genauso wie Ängste eine Begleiterscheinung von Depressionen seien können. Depressionen und Ängste können jedoch auch parallel auftreten als zwei eigenen Entitäten. Im Rahmen der Intensivausbildung erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um Menschen mit Depressionen und Ängsten zu helfen. Auf den ersten Blick kann das alles recht kompliziert wirken, wenn man ein tiefergehendes Verständnis für die beiden Erkrankungen entwickelt, dann wird das Bild klar und ihre Behandlungen werden immer effektiver.


Vorgespräch (Anamnese) der Hypnosetherapie

Vor Beginn der eigentlichen Hypnosebehandlung solltet Ihr eine ausführliche Anamnese durchführen. Zum einen dient dieses Vorgespräch dem gegenseitigen Kennenlernen, zum anderen sollen hier entscheidende Themen und vor allem die dahinter liegenden Emotionen entschlüsselt werden, an denen der Patient in der Hypnose arbeiten möchte.

Meine Empfehlung ist, nur ein Vorgespräch von maximal 60 Minuten Länge zu führen. Es ist meiner Ansicht nach nicht notwendig, mehrere Sitzungen für Vorgespräche zu verwenden. Denn erfahrungsgemäß neigen die Patienten dazu, die Themen in Gesprächen eher von der kognitiven Seite zu betrachten. Sinn und Zweck des Vorgesprächs ist jedoch, an die belastenden Emotionen heran zu kommen. Ebenso rate ich davon ab, vorweg einen Fragebogen zu verwenden. Dieser kann den natürlichen Fluss der Anamnese im Eins-zu-eins-Gespräch stören, da Patient und Therapeut dazu geneigt sind, die Chronologie des Fragebogens abzuarbeiten und Gefahr laufen, die dahinterliegenden relevanten Emotionen und Themen zu übersehen.

Während des Vorgesprächs werdet Ihr mit der Zeit feststellen, dass es zwei verschiedene Gruppen von Patienten gibt, die ich hier als Verhaltensgruppe und als Emotionsgruppe beschreibe. Patienten der Verhaltensgruppe berichten, wie der Name schon vermuten lässt, primär von ihren Verhaltensweisen. Zum Beispiel, dass sie Partnerschaften nicht lange führen können, weil sie ab einem bestimmten Zeitpunkt aus der Partnerschaft flüchten. Oder dass sie Süßigkeiten nicht meiden können. Patienten der Emotionsgruppe berichten dahingegen recht schnell von ihren Gefühlen wie Trauer, Angst oder Wut. Sie können eventuell Körperregionen benennen, in denen sie die Gefühle spüren, oder nutzen Metaphern für ihre momentane Situation. Bei der Emotionsgruppe ist der Einstieg in die Hypnose in der Regel leichter, weil in der Hypnose direkt an die Gefühle oder Körperempfindungen angeknüpft werden kann, die im Vorgespräch genannt wurden. Bei der Verhaltensgruppe ist es wichtig, noch im Gespräch herauszufinden, welche Emotionen zu dem entsprechenden Verhalten führen. Indem Ihr nach der Ursache fragt, diese unter Umständen auch erst einmal gemeinsam mit dem Patienten erörtern müsst, gelangt ihr auf die Fühlebene. Die Fühlebene ist das Entscheidende für die Hypnosetherapie.

Um zu Beginn des Gesprächs eine lockere Atmosphäre zu schaffen, ist meine Empfehlung, zunächst einmal mit Smalltalk zu starten. Der Patient ist zu Beginn der Anamnese in der Regel etwas aufgeregt, denn er muss einer noch fremden Person innere Gefühle offenbaren. Durch den Smalltalk nehmt Ihr den Druck heraus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man über diesen seichten Einstieg häufig schon in die eigentlichen Themen hineinkommt. So beispielsweise, wenn der Patient berichtet, er sei schon überpünktlich vor Ort gewesen. Manchmal kann das einen Hinweis darauf geben, dass der Patient Angst davor hat, sich zu verspäten. Was wiederum ein Hinweis dafür sein kann, dass er Angst vor Autorität oder Bestrafung hat.

Wichtig ist, im Vorgespräch die entscheidenden Emotionen zu eruieren, die dem Patienten Probleme bereiten und die Therapie im Anschluss auf diese Gefühle hin auszurichten. Wenn der Patient bereits während der Anamnese starke Gefühle zeigt, evtl. auch körperlich reagiert, ist es wichtig, Verständnis zu zeigen und Raum für die Emotionen zu geben. So spürt der Patient die Erlaubnis für sein Fühlen und gewinnt damit Vertrauen in das Verhältnis zum Therapeuten. Merkt Euch, wann im Gespräch der Patient emotional wurde, denn dies sind in aller Regel die Themen, die zum aktuellen Zeitpunkt die größte Rolle spielen.

Am Ende des Gesprächs erklärt Ihr, wie die Hypnose und die Abreaktionen funktionieren, sodass der Patient bereits innerlich darauf gebahnt ist, wie eine Hypnosesitzung abläuft. Die wichtigsten Punkte dabei sind:
  • Der Patient bekommt während der Hypnose alles mit.
  • Die Augen sind geschlossen.
  • Der Patient nimmt seine Gefühle in höherer Intensität wahr als normalerweise im Wachzustand.
  • Es können starke emotionale Reaktionen auftreten, d. h es kann sein, dass der Patient weint oder Angst erlebt. Diese Gefühlsreaktionen sind jedoch wichtig und genau mit diesen Gefühlen wollen wir arbeiten.
  • Alle Emotionen dürfen da sein. Der Patient darf in wohlwollender Begleitung des Therapeuten warten, bis das Gefühl abflacht und es besser wird.
  • Es können nach der Sitzung Nachwirkungen auftreten, beispielsweise in Form von Träumen und nachträglichen Bildern. Das ist normal, da durch die Hypnose ein innerlicher Prozess angestoßen wurde. Wie ein Stein, der ins Rollen gekommen ist.
Wenn Ihr diese Punkte beachtet, habt ihr in der Regel ein gutes Vertrauensverhältnis geschaffen und die wichtigen Emotionen für die Hypnosetherapie entschlüsselt.

Weitere Informationen, Tipps und Anregungen zur Anamnese erhaltet Ihr in meinen Seminaren.


Abstand zwischen den Hypnosesitzungen

An dieser Stelle möchte ich einige Grundempfehlungen für das Timing der Hypnosesitzungen geben.

Zu Beginn der Sitzung steht erst einmal eine ausführliche Anamnese an. In diesem Vorgespräch solltet Ihr klären, wo die Probleme des Patienten liegen, wie die Hypnose abläuft und ob mit der Suggestionshypnose oder der auflösenden Hypnose gearbeitet wird. Außerdem kannst Du am Ende der Anamnese eine erste Einschätzung über die Therapiedauer geben. Zwischen dem Vorgespräch und der ersten Sitzung lasse ich gerne eine Woche verstreichen. So kann der Patient noch einmal für sich schauen, ob innere Bilder oder neue Gedanken zum Thema hochkamen oder sich vielleicht sogar schon etwas zum Positiven verändert, weil gewisse Gefühle bereits angesprochen worden sind.

In der folgenden Woche sollte die erste Hypnose stattfinden. Ich habe mich darauf eingependelt, nicht mehr als eine Hypnose pro Woche bei einem Patienten durchzuführen. Denn für die meisten Patienten ist eine Sitzung pro Woche völlig ausreichend. Eine Einzelsitzung bringt viel emotionale Bewegung in den Patienten, sodass eine Woche Abstand zur nächsten Sitzung dazu dient, die Wirkung der Hypnose zu erfahren und zu erleben, was sich im Nachgang der Sitzung bereits getan hat.

Wenn sich bereits einiges beim Patienten gelöst hat und der Leidensdruck geringer geworden ist, können im Laufe der Behandlung auch 2-3 Wochen Abstand zwischen den Sitzungen gelassen werden. In der Regel hat man nach 3 Hypnosesitzungen ein gutes Fundament dafür geschaffen, dass der Patient alle 2-3 Wochen in die Praxis kommen kann. Die ersten 3 Hypnosesitzungen sind eine grobe Richtlinie. In der Regel entscheidet Ihr individuell je nach Patient, ob er nach den ersten Sitzungen noch sehr belastet ist und viele weitere ungelöste Themen in sich trägt oder ob der Heilungsprozess rascher vorangeht. Ist der Patient noch sehr instabil, sollten die Sitzungen weiterhin wöchentlich stattfinden.

Mehrere Termine pro Woche biete ich nur dann an, wenn Patienten sehr stark emotional belastet sind. Dies kann bei Burnout-, Angst- oder Depressionspatienten der Fall sein, die aktuell krankgeschrieben sind. Hier ist der Leidensdruck besonders stark und daher können auch 2 Sitzungen pro Woche stattfinden. Idealerweise sollte dann eine Sitzung am Anfang der Woche und eine am Ende der Woche gegeben werden.

Blocksitzungen sind möglich bei Patienten, die aus einer anderen Stadt anreisen. Allerdings würde ich diese Handhabung nicht Hypnose-Beginnern empfehlen, da sie am Anfang noch mehr Zeit brauchen, um das Vorgespräch und die Sitzungen nachzuarbeiten und dabei zu sortieren, was die Kernthematik des Patienten ist.


Nutzung der eigenen Intuition

Je mehr Ihr mit eigenen Patienten arbeitet, desto mehr werdet Ihr merken, dass Eure Intuition bezüglich der Gefühle und Erlebenswelt des Patienten geschult wird. Ihr werdet mit der Zeit immer schneller natürliche Eingebungen bezüglich der Gefühle des Patienten haben, die das Erleben des Patienten auf den Punkt bringen. Die eigene Intuition ist daher eine wichtige Ressource, die ihr für den Therapieerfolg nutzen könnt. Sie dient dazu, in eine engere Verbindung mit dem Patienten zu gehen. Diese Verbindung hilft dabei, Menschen auszuheilen und emotional im Leben voranzubringen.

In meiner Praxis fiel mir irgendwann auf, dass ich während der Hypnosesitzungen mit Patienten plötzlich selbst innere Bilder wahrgenommen habe, die die Situation des Patienten gut beschrieben. Als ein Patient von der Beziehung zu seiner Mutter berichtete, tauchte vor meinem inneren Auge das Bild eines brodelnden Vulkans auf. Das Bild war meine innere Antwortreaktion auf das, was der Patient gerade erlebte. Ich habe dies als wertvolle Information betrachtet und dem Patienten verbalisiert. Damit gab ich dem Patienten also einen Vorschlag zu dem, wie er sich fühlen könnte. In diesem Fall bejahte der Patient mein Angebot nicht, sondern ging seinen eigenen Weg und sagte mir, dass er vielmehr einen Eisklotz wahrnehme. Das war für mich eine wichtige Information, die die Hypnose weiter vorangebracht hat. Bei diesem Beispiel ging es dem Patienten noch nicht um seine Wut, wie bei einem brodelnden Vulkan, sondern er steckte in einem anderen Gefühl fest, nämlich der Wahrnehmung der Gefühlskälte seiner Mutter ihm gegenüber, was der Eisblock symbolisierte. Mein Vorschlag wurde bei diesem Patienten zwar nicht angenommen, aber er half dabei, dass der Patient eine eigene symbolische Wahrnehmung für die Beziehung zu seiner Mutter entwickeln konnte. Dadurch hatte er eine bessere Beschreibung und Erklärung für sein innerliches Empfinden.

Zusammenfassend dient also Deine eigene Intuition dazu, innere Bilder zu entwickeln, die Du dem Patienten mit an die Hand geben kannst, um die Hypnose voranzutreiben. Wichtig ist es also, der eigenen Intuition genügend Raum zu geben und dem Patienten dann die eigenen inneren Wahrnehmungen als Vorschlag dafür anzubieten, wie er sich momentan fühlen könnte. Bleibt dabei flexibel und folgt der Wahrnehmung des Patienten. Letztlich solltet Ihr also immer das aufnehmen und mit dem weiter arbeiten, was der Patient sagt und die eigene Intuition an geeigneten Stellen als Angebot unterbreiten.


Tipps zur Behandlung bei Ängsten

Im Vorgespräch zur Angstbehandlung ist es wichtig, den Patienten zu fragen, in welchen Situationen er die Angst spürt. Bei spezifischen Ängsten kann der Patient in aller Regel sehr genau angeben, wann sich die Angst zeigt. So zum Beispiel beim Fliegen oder wenn er vor einer Gruppe von Menschen spricht. Daraufhin erfragt Ihr, wo im Körper der Hypnotisand die Angst wahrnimmt. In den meisten Fällen sind das die Bereiche Hals, Brust oder Bauch. Mit diesen Informationen seid Ihr bereits sehr nah an der Emotion und wisst genau, welche Trigger Ihr in der Hypnose verwenden könnt, damit der Patient gut in die Angst hineingeht. Während der Hypnose kann die Angstreaktion dann abgerufen, verarbeitet und mit der Hilfe des Hypnosetherapeuten nachhaltig aufgelöst werden.

Ein Tipp von mir zur Hypnoseinduktion bei der Einleitung von Ängsten ist, dass ihr keine Entspannung suggeriert. Auch das Wort „Loslassen“ ist meist nicht sinnvoll. Denn Entspannung und Loslassen sind konträre Gefühle zur Angst. Der Patient kann die Entspannung aufgrund der Angst nicht empfinden und ist dann unter Umständen frustriert, dass er die gegebene Suggestion nicht umsetzen kann. Besser ist also bei der Induktion zur Angstbehandlung, wenn Ihr Suggestionen der Schwere verwendet.

Wenn der Patient schon während der Hypnoseeinleitung Unruhe wahrnimmt und Euch dies mitteilt, dann greift das Gefühl auf. Gebt die Erlaubnis, dass die Unruhe da sein darf. Die innere Unruhe ist bereits eine Reaktion auf die Angst. Indem Ihr diese Wahrnehmung da sein lasst, vertieft sich der Patient in das Gefühl und kommt immer weiter an die Angst heran. Dadurch gelangt Ihr rasch in den Wirkteil der Hypnose, nämlich die Abreaktionen, die dann in die Verarbeitung des Gefühls münden.


Erläuterung zur R2C Hypnose

R2C bedeutet Regression to Cause, im Deutschen in der Hypnosetherapie bekannt als sogenannte Altersregression. Durch die Altersregression reisen wir in der Hypnose gemeinsam mit dem Patienten zu den Ursachen von aktuellen Problemen. Die Altersregression nimmt in der Hypnosetherapie dadurch einen sehr wichtigen Stellenwert ein. Denn die Probleme, die im Leben des Patienten zum jetzigen Zeitpunkt vorherrschen, sind eigentlich Probleme der Vergangenheit, die wieder hochkommen. Es geht in der Therapie dann also nicht so sehr um die momentane Symptomatik des Patienten, sondern darum, die Ursache des Problems zu finden, die in über 80% der Fälle in der Vergangenheit liegt. Sehr selten stehen aktuelle Probleme für sich allein.

Ein gutes Beispiel ist das Thema Verlustangst, weil sich ein Partner getrennt hat. Ein möglicher Hintergrund der Verlustangst wäre das kindliche Gefühl, verlassen zu werden, weil der Hypnotisand als Kind Angst hatte, seine Eltern zu verlieren. Die Angst vor dem Verlassenwerden tritt häufig dann auf, wenn die Bindung zu den Eltern unsicher gewesen ist. Das kann der Fall sein, wenn sich die Eltern viel gestritten haben oder ein Elternteil gedroht hat, wegzugehen, sich zu trennen. Der Hintergrund der Verlustangst kann auch dadurch entstanden sein, dass die Eltern emotional zu wenig erreichbar waren. Wenn sie beispielsweise zwar räumlich da gewesen sind, aber dem Kind nicht zugehört haben und ihm die emotionale Zuwendung nicht geben konnten, die wichtig gewesen wäre, um eine tiefe emotionale Bindung und ein gesundes Vertrauensverhältnis aufzubauen. In vielen Fällen sind dementsprechend die Probleme der Eltern der Auslöser dafür, dass der Patient als Kind nicht genug Vertrauen und Bindung zu seinen Bezugspersonen aufbauen konnte.

Bleiben wir bei dem Patienten mit der Verlustangst. In der Hypnose könnte der Hypnotisand regredieren, indem der Hypnosetherapeut ihm die Erlaubnis und den Raum gibt, das Gefühl zu spüren. Eine erste Reaktion darauf ist meist Angst oder Trauer. Indem die Gefühle da sein dürfen, werden sie abreagiert. Es kann aber auch sein, dass der Patient in der Regression mitteilt, dass er sich nicht mehr bei der aktuellen Situation befindet, sondern in einer Situation aus seiner Kindheit und z. B. ein Bild vor Augen hat, wie die Mutter den Vater verlässt. Das Unterbewusstsein schafft hier von selbst eine Affektbrücke, also eine Verknüpfung zwischen einer aktuellen Situation und der Vergangenheit. Manchmal kann es vorkommen, dass dem Patienten diese Verbindung im Wachzustand nicht bewusst ist und er erst in der Hypnose die Erkenntnis gewinnt, dass die aktuelle Problematik mit seiner Vergangenheit und den noch abgespeicherten kindlichen Gefühlen zu tun hat. Erkenntnisgewinne dieser Art sind für den Patienten jedoch nur ein kleiner Teil der Lösung des Problems. Wichtig ist es, dass er die Gefühle von früher in der Hypnose auch adäquat zulässt und durchlebt, sodass sie gemeinsam mit dem Therapeuten nachhaltig verarbeitet werden können.

Bei der R2C gibt es zwei Formen. Einerseits kann der Patient spontan regredieren. Das Unterbewusstsein schafft hier von allein die Affektbrücke zur Ursache der behandelten Problematik. Andererseits kann der Therapeut einen Anstoß zur Altersregression geben, indem er dem Hypnotisanden den Vorschlag macht nachzuspüren, ob er schon einmal etwas Ähnliches in der Vergangenheit gefühlt hat. Hierbei ist es wichtig, nicht zu direktiv vorzugehen, da sonst die Gefahr des False-Memory-Effects besteht. Damit würden wir den Patienten in ein Erlebnis hineinbringen, das er gar nicht erlebt hat oder das nur scheinbar mit dem aktuellen Problem in Verbindung steht. Das kann geschehen, weil Menschen in der Hypnose bereiter und suggestiver für Vorschläge von außen sind. Der Verstand ist in der Hypnose reduziert und so können Suggestionen, wenn sie zu stark fokussiert sind, auch in die falsche Richtung gehen. Es ist daher wichtig, den Patienten selbst entscheiden zu lassen, da wir nicht wissen, ob es sich tatsächlich um ein altes Gefühl handelt oder um ein Problem, das eventuell keinen Vergangenheitsbezug hat. Die Quintessenz ist also, den Patienten hineinspüren zu lassen und geschehen zu lassen, um dann zu schauen, ob das Gefühl in die Vergangenheit führt. Wenn das der Fall ist, lässt sich relativ schnell herausfinden, in welchem Moment der Vergangenheit der Auslöser liegt. Wenn keine Verbindung auftaucht, dann ist es dementsprechend durchaus möglich, dass es keinen Hintergrund aus der Vergangenheit zur aktuellen Symptomatik gibt.

Gleichwohl muss es nicht immer nur einen einzigen Grund geben, dass sich der Patient auf eine bestimmte Art und Weise fühlt. Es kann sein, dass es viele verschiedene Gründe für Gefühle der Angst und Trauer gibt. Aus diesem Grund scannt das Unterbewusstsein in der Hypnose häufig viele Bilder ab und es tauchen mitunter viele verschiedene Situationen auf, die alle mit dem Gefühl in Verbindung stehen und verarbeitet werden sollten. Arbeitet also immer mit dem was kommt und seid neugierig, was mögliche Altersregressionen hervorbringen können.


Soziale Phobie

Bei der sozialen Phobie handelt es sich um eine Angststörung, unter der vermehrt junge Menschen leiden. Die soziale Phobie zeigt ihre Heftigkeit beim Patienten insbesondere im sozialen Kontakt mit anderen Menschen.

In der Regel erkennt man eine Angststörung an folgenden Symptomen in Bezug auf Sozialkontakte:
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Beklemmungsgefühle in der Bauch-, Brust- und Halsregion
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
Diese klassischen Angstsymptome sind für die Betroffenen sehr unangenehm, sodass sie immer mehr dazu neigen, den Kontakt mit anderen Menschen zu minimieren oder irgendwann auch ganz zu meiden.

Wichtig ist zu wissen, dass der sozialen Phobie eine Selbstwertproblematik zugrunde liegt. Die Patienten haben Angst davor, von anderen Menschen bewertet und vor allem abgewertet zu werden. Die Ursache für diese Befürchtungen ist in der Kindheit begründet. Die Betroffenen haben in ihrer Kindheit häufig eine starke Ablehnung und Entwertung durch ihre Eltern oder andere Bezugspersonen erfahren. Diese emotionalen Verletzungen sind tief im Unterbewusstsein des Patienten verankert und werden im Alltag im Sozialkontakt mit anderen Menschen wieder angetriggert. Es handelt sich bei der sozialen Phobie also um eine Konfliktreaktivierung, bei der die Angst vor Ablehnung und Abwertung durch andere Menschen, wie sie bereits in der Kindheit gespürt wurde, ausschlaggebend ist. Diese mehr oder minder unbewusste Angst führt dann zu den oben genannten Symptomen.

Im sozialen Kontakt können wir leider nicht immer voraussehen, wie andere Menschen auf uns reagieren und ob sie uns wohlwollend oder mit Abwertung begegnen. Ein starkes Selbstwertgefühl schützt uns vor der Abneigung und negativen Bewertung durch andere, wodurch wir abwertenden Aussagen weniger Beachtung schenken.
Menschen mit einer sozialen Phobie kann mit Hypnose in den meisten Fällen sehr gut geholfen werden. Der Schlüssel liegt darin, die Gefühle, die als Kind gespürt wurden, nachhaltig zu verarbeiten und im Anschluss ein besseres Selbstwertgefühl aufzubauen.

Konkrete Behandlungsmethoden mit Hypnose bei sozialer Phobie erhalten Sie in meiner Intensivausbildung.


Hypnose und Gefühlsreaktivierung


Illustration von Sylvia Wolf


Die Folgen, die mit der Reaktivierung negativer Gefühle einhergehen, stellen eines der gewichtigsten und häufigsten Probleme dar, die es in der Psychotherapie zu lösen gilt. Wir alle kennen das Prinzip der Gefühls-Reaktivierung aus eigener Erfahrung. Lieder, die wir mit bestimmten Momenten unseres Lebens verbinden, Gerüche, ja sogar bestimmte Speisen können in uns längst vergangene angenehme Gefühle wieder wachrufen. Was mit sehr positiven Gefühlen funktioniert, funktioniert leider genauso mit stark negativen Gefühlen.

Negative Gefühle, denen Patienten in der Vergangenheit - meist der Kindheit - ausgesetzt waren, werden von bestimmten Nervenzellverbänden im Gehirn abgespeichert und durch Ähnlichkeitsreize im Erwachsenenalter wieder reaktiviert. Das Gehirn merkt sich die in diesem Moment stattfindenden Außenreize und das damit verknüpfte Gefühl, um später bei ähnlichen Situationen mit demselben Gefühl zu reagieren. Die durch Reaktivierung negativer Gefühle hervorgerufenen individuellen Reaktionen werden von den Betroffenen häufig als unverhältnismäßig stark wahrgenommen. Die Patienten sind sich bewusst, dass ihre Gefühlsreaktionen der Situation unangemessen sind. Sie können jedoch über ihre Willenskraft die automatisiert auftretenden Gefühle weder unterdrücken noch steuern.

Wenn Menschen in bestimmten Situationen kindliche Gefühle verspüren, handelt es sich genau genommen um eine Form der hypnotischen Altersregression, die vom Gehirn automatisch ausgelöst wird.

Indizien für die Gefühlsreaktivierungen aus der Kindheit sind Sätze wie: „Ich fühle mich dann ganz klein“, oder: „Ich sehe das kleine Mädchen vor mir und denke...“ oder „Ich fühle mich wie ein kleines Kind, das geliebt werden möchte.“

Kindliche Gefühle, Gefühlsreaktivierung und Resonanz

Das Verhalten der Eltern und die Lebensumstände, unter denen Kinder groß werden, sorgen für die Wahrnehmung und Abspeicherung von Gefühlen im Gehirn der Kinder. Diese abgespeicherten, gemerkten Gefühle reproduzieren auch später im Erwachsenenleben nicht nur Verhaltensweisen selbst, sondern erzeugen auch in anderen Menschen, die mit den Betroffenen in Kontakt kommen, bestimmte emotionale Resonanzen und Verhaltensweisen. So werden häufig Frauen, die bereits in der Kindheit Opfer elterlicher Gewalt waren, später zu Opfern von gewalttätigen Lebenspartnern. Doch wie finden Opfer und Täter zusammen? Durch emotionale Resonanz. Täter bemerken unbewusst auf der Fühlebene die Schwäche von Menschen, die bereits Gewalt zum Opfer gefallen sind. Genauso nehmen die späteren Opfer unbewusst in den Tätern Gefühle wie Hass und Gewaltbereitschaft wahr. Da die Gefühle wie zwei Puzzlestücke zusammenpassen, finden die Menschen unbewusst zueinander. Menschen, die negative Gefühle in sich tragen, wirken wie ein Magnet auf Menschen, die genau dieselben negativen Gefühle antriggern und reaktivieren. Sehr häufig ist so etwas wie ein roter Faden im Leben der Patienten erkennbar. Zum Beispiel das Thema, nicht gesehen zu werden, betrogen zu werden, allein gelassen oder nicht wertgeschätzt zu werden. Die Patienten berichten in solchen Fällen meist davon, dass sie auf ihrer Arbeit, in Freundschaften oder der Partnerschaft ähnliche Szenarien und Gefühle erleben wie früher in ihrer Kindheit. Es handelt sich dabei nicht um Zufall.

Das Gesetz der emotionalen Resonanz funktioniert anders herum genauso: Menschen, die positive Gefühle in sich tragen, finden unbewusst zu Menschen, die diese positiven Gefühle weiter verstärken. Ein weiterer Grund, wirklich innerlich aufzuräumen und auflösend anstatt suggestiv zu arbeiten.


Das Matroschka- Prinzip

(Auszug aus meinem Buch Hypnosetherapie- auflösende Hypnose)

Im Laufe einer einzelnen Hypnose-Sitzung, aber auch einer Hypnosebehandlung, treten häufig verschiedene Gefühle auf. Da wir Menschen Gefühle nicht gleichzeitig, sondern zeitversetzt spüren, treten diese auch in der Hypnose nacheinander auf. Und so muss der Hypnosetherapeut sich im Laufe seiner Behandlung mit seinen Patienten in vielen Fällen durch mehrere Gefühle hindurch arbeiten, bis alle negativen Emotionen abgearbeitet sind. Ähnlich wie bei der Matroschka, entfernt man Hülle für Hülle, bis man sich durch alle Schichten durchgearbeitet hat.

In einer Einzelsitzung kann das so aussehen: Eine Patientin, die an Angst leidet, wenn sie allein zu Hause ist, wird in der Trance zunächst in die Situation geführt, allein zu Hause zu sein. Das erste Gefühl, das sich zeigt, ist ein Angstgefühl. Nachdem das Angstgefühl abreagiert wurde, spürt die Patientin eine Traurigkeit darüber, dass sie früher von den Eltern allein gelassen wurde und weint heftig. Nachdem die Traurigkeit verflogen ist, wird die Patientin wütend: Wie konnten sie ihre Eltern nur allein zu Hause lassen! Die Abfolge von verschiedenen Gefühlen in der Hypnose entspricht den kindlichen Gefühlen, die die Patientin früher durch das Alleinsein durchgemacht hat.


Illustration von Sylvia Wolf


Nicht nur innerhalb einer Sitzung, sondern auch innerhalb des Behandlungsverlaufes kann es zu einer Abfolge von verschiedenen Emotionen kommen. So kann es vorkommen, dass das Thema Angst innerhalb der ersten Hypnosen im Vordergrund steht und damit das Leitgefühl darstellt. Nachdem die Angst abgearbeitet wurde, tritt auf einmal ein anderes Gefühl in den Vordergrund: Traurigkeit. Nachdem auch dieses Gefühl über eine oder mehrere Sitzungen dominierte, kommt der Patient auf einmal an das Gefühl der Wut. In vielen Fällen arbeitet man sich mit dem Patienten also durch verschiedene Gefühlsschichten durch, bis keine negativen Gedächtnisinhalte mehr reproduziert werden. Im Laufe einer Hypnosebehandlung braucht man sich als Behandler keine Sorgen zu machen, wenn auf einmal „neue“ Gefühle auftreten, die bislang durch andere Gefühle überdeckt worden waren. Dies entspricht dem normalen Verlauf einer Hypnose. Insgesamt sollte der Patient sich aber trotz neuerdings wahrgenommener Gefühle jedoch mit der Zeit besser fühlen und Fortschritte bemerken.

Merke: Eine Situation kann mehrere Gefühle auslösen, die dann nacheinander in der Hypnose auftreten. Deshalb sollte man sich nicht verunsichern lassen, wenn es im Laufe einer Hypnosebehandlung zu einer Verlagerung des Leitgefühls kommt. Dies entspricht lediglich der Exploration von Emotionen, die bei Behandlungsbeginn von anderen Gefühlen überlagert waren.

Für den Behandler stellt sich manchmal, insbesondere dann, wenn der Patient über mehrere Gefühle spricht, die Frage, mit welchem Gefühl er die Hypnose- Behandlung beginnt. Die Antwort ist leicht: Immer mit dem Gefühl, das insgesamt im Vordergrund steht.

Merke: Beginnen Sie die Hypnosebehandlung immer mit dem Gefühl, das im Vordergrund steht, dem Leitgefühl. Das Leitgefühl ist am einfachsten zugänglich und über seine erfolgreiche Verarbeitung wird man die schnellsten und stärksten Therapieresultate erzielen. In den meisten Fällen ist das Leitgefühl Angst oder Traurigkeit. Aggression und Wut liegen häufig unter diesen Leitsymptomen verborgen. Falls es andersherum sein sollte, halten Sie sich an den Leitsatz, zuerst das vorherrschende Gefühl anzugehen.

Sonderfall: Depression

Bei einer Depression kommt es mitunter vor, dass Menschen über ihren Zustand/ihre Krankheit abreagieren. Die Abreaktionen darüber, dass sie so krank geworden sind, verschaffen den Patienten zwar etwas Erleichterung, bringen aber die Depression nicht zur Ausheilung. Abreaktionen über die eigene Depressivität sind ein erster Schritt in die emotionale Erleichterung. Im weiteren Therapieverlauf müssen jedoch die krankheitsauslösende Traurigkeit und die damit verbundenen Lebensereignisse angegangen werden. In diesem Fall besteht die oberste Gesteinsschicht aus dem Trauergefühl depressiv zu sein und die tieferliegenden Gesteinsschichten aus den Trauergefühlen, die den Patienten depressiv gemacht haben. Ganz in der Tiefe sind dann wiederum häufig weitere Gefühle anzutreffen.


Perspektiven in der Trance

Bei der Behandlung von belastenden Gefühlen wechseln Hypnotisanden auch ohne Einwirken des Hypnotiseurs die Wahrnehmungsposition. Dabei kann es zu der Annahme einer Außenposition kommen, die der Erdung beim Durchleben extrem starker Emotionen dient. Das sogenannte Dissoziieren tritt meist dann ein, wenn die Gefühle sehr intensiv werden und der Hypnotisand sich temporär von der Wahrnehmung dieser Gefühle entlastet.

Ebenso sind in der hypnotischen Trance Perspektivenwechsel zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen möglich. Häufig sind dies Wechsel zwischen der Wahrnehmung des Erwachsenen und der Perspektive des inneren Kindes und damit der Gefühle, die vom Patienten während seiner Kindheit erlebt wurden. Der Wechsel der Perspektiven erlaubt es dem Patienten, sich selbst um seine kindlichen Anteile zu kümmern und damit wichtige Prozesse nachzuholen, die früher nicht adäquat stattgefunden haben.

Praxisfall Perspektivenwechsel 1: Angstbewältigung durch Dissoziation

Ich behandelte einmal einen Patienten, der aufgrund einer generalisierten Angststörung in vielen verschiedenen Situationen seines Lebens stärkste Angstausbrüche durchlebt hatte. Wir durchliefen in der Trance eine große Anzahl von Situationen, in denen er Angst gehabt hatte. Auf der Spitze seiner Abreaktionen beschrieb der Patient stets eine Art Lösung aus dem Körper und ein Betrachten der Situation aus der Vogelperspektive. Nach einer kurzen Zeit kehrte der Hypnotisand dann wieder in die Ich-Perspektive zurück und verspürte dann keine Angst mehr: automatischer Perspektivenwechsel par excellence.

Automatisch ablaufende Perspektivenwechsel sind Prozesse, die einer Verarbeitung der aufbrechenden Emotionen in der Trance förderlich sind. Prinzipiell ist es möglich, den Hypnotisanden auch gezielt während einer sehr starken Abreaktion zur Erdung kurzfristig aus der Ich- in die Meta-Perspektive zu führen, um danach wieder in die Ich-Perspektive zu wechseln. Ich rate aber dazu, diese Vorgehensweise nur dann anzuwenden, wenn man das Gefühl hat, dass die auftauchenden Gefühle den Hypnotisanden wirklich überfordern. In der Regel ist das suggerierte Dissoziieren nicht notwendig.

Praxistipp: Suggerieren Sie den Perspektivenwechsel vor allem zur Einnahme der Ich-Position um die Gefühlswahrnehmung zu verstärken. Gehen Sie sehr sparsam mit dem Perspektivenwechsel von der Ich- in die Metaposition um. Schließlich möchten wir unsere Hypnotisanden nicht aus den Gefühlen heraus, sondern in diese hinein führen. Werden Abreaktionen für Hypnotisanden zu heftig, dissoziieren die Hypnotisanden ohnehin spontan ohne Einwirkung von außen.

Praxisfall Perspektivenwechsel 2: Die Frau, die sich selbst tröstete

Bei der behandelten Patientin handelt es sich um eine 47- jährige Frau, die unter einem Mangel an Selbstwertgefühl leidet und in ihrem Leben immer wieder depressive Episoden durchlebt. Ein zentrales Thema ist für sie die fehlende Selbstfürsorge. Die Patientin beschreibt, dass sie sich selbst überfordere und sich keine Zeit für sich nehme. Auch tue sie sich sonst kaum etwas Gutes, sondern gehe einzig und allein ihren Pflichten nach.

Kindheit: die Patientin ist gemeinsam mit ihren Eltern, drei Schwestern und einem Bruder groß geworden. Da die Eltern eine eigene Gastronomie führten, hatten sie kaum Zeit für ihre Kinder. Die Patientin und ihre Geschwister wurden schon früh sich selbst überlassen. Es schwebte die unausgesprochene Erwartung der Eltern im Raum, dass die Kinder alles selbst hinbekommen müssten. Liebe und Zuwendung durch die Eltern fehlten anscheinend völlig.

Trance: Da die Patientin stark belastet wirkte, entschied ich mich ohne Anstimulation eines speziellen Themas frei in die Hypnose hineinzugehen und abzuwarten, welches Bild und welches Gefühl sich bei ihr zeigen würden. Gerade bei Menschen, die stark belastet sind, erscheinen die negativen Gefühle meist spontan ohne gezieltes Angehen eines speziellen Themas. Das erste Bild, das die Patientin sieht, ist das Bild von sich, wie sie ein kleines Baby im Arm hält. Das Baby sei sie, das spüre sie. Sie teilt mit, dass sie in dem Bild zwischen der Wahrnehmung des kleinen Babys, das sehr traurig sei und dem Gefühl der Erwachsenen, die dem Baby Liebe gebe, springe. Im Laufe der Behandlung reagiert die Patientin immer wieder Trauergefühle ab. Zunächst lässt sie mich wissen, dass die Liebe, die sie als Erwachsene dem Baby gebe, nicht ankomme. Ich teile ihr mit, dass die Liebe dann ankommen wird, wenn wir dem Baby dabei geholfen haben, seine Traurigkeit loszuwerden. Nach einer Zeit des ständigen Perspektivenwechsels zwischen Baby und Erwachsener und zahlreichen Abreaktionen teilt die Patientin mit, dass sie das Gefühl habe, einen Arm zu spüren, der sich um sie lege. Dies sei ein sehr angenehmes Gefühl. Sie fühle sich getragen und beschützt. Dann äußert die Patientin, dass sie nun so etwas wie Liebe spüre. Die Liebe sei wie eine warme Decke, mit der man das Kind zudecke. Die Patientin beschreibt ein Gefühl des inneren Friedens und der Wärme. Als sie aus der Hypnose zurückkommt, lächelt sie und fühlt sich wohl.

Erklärung: In der Hypnose ist die Patientin spontan in ihre Kindheit regrediert. Dabei sah sie sich als Erwachsene, offensichtlich in der Rolle der Liebe gebenden und fürsorglichen Mutter, gleichzeitig nahm sie sich als kleines Baby wahr. Durch die spontane und wechselnde Einnahme der verschiedenen Perspektiven und der mit ihnen verbundenen Gefühle half das Unterbewusstsein der Patientin dabei, sich selbst zu trösten und kindliche Trauergefühle zu verarbeiten. Der Prozess, der intuitiv von ihrem Unterbewusstsein durchgeführt wurde, heißt Reparenting. Dabei nimmt der Patient oder der Therapeut die Rolle eines Erwachsenen ein, der sich um das Kind und dessen Gefühle kümmert.

Interessanterweise hat die Patientin durch die Einnahme der Mutterrolle dafür gesorgt, sich um sich selbst zu kümmern. Schließlich hat sie sich selbst in der Hypnose als Kind getröstet, sich um das Kind gekümmert und sich das Gefühl von Liebe gegeben. Diese wertvollen intrahypnotischen Prozesse stehen im völligen Gegensatz zu dem Grundproblem, mit dem die Patientin vorstellig wurde: der Unfähigkeit, sich selbst Gutes zu tun. Somit ist die Patientin bereits in der ersten Hypnose einen der wichtigsten Schritte Ihres Lebens gegangen: sie hat für sich selbst gesorgt.


Übungsfälle aus der Hypnosepraxis


Übungsfall Angst: Die Spitze des Eisbergs

In der Hypnosepraxis stellt sich eine 37-jährige Teamleiterin mit Präsentationsangst und Angst, vor Menschenmengen zu sprechen, vor. Die in einem Großkonzern arbeitende Teamleiterin bekommt beim Vortragen von Arbeitsergebnissen massive Angstreaktionen. Sie spürt eine Verengung in der Brust und der Atem bleibt ihr dabei weg. Es ist auch schon einmal bei einer wichtigen Präsentation im vergangenen Jahr dazu gekommen, dass sie einen Blackout hatte und auf einmal gar nicht mehr wusste, was sie sagen sollte.

Sie erzählt auch, dass sie vor drei Jahren einen Burnout hatte und es ihr dabei sehr schlecht ergangen ist. Sie war damals traurig, antriebslos und konnte nächtelang nicht schlafen. Sie hat nach eigenen Angaben rund ein Jahr gebraucht, um sich davon zu erholen. Aktuell bestehen keine Symptome einer Depression oder eines Burnout mehr. Jedoch bemerkt sie zum Teil, dass sie unruhig wird, wenn die Arbeitsbelastung sehr hoch ist. Ihr Hauptanliegen ist die Behandlung ihrer Redeangst.

Sie lebt allein mit ihren zwei Kindern im Alter von 7 und 11 Jahren. Vor 5 Jahren kam es zur Trennung von ihrem Mann, mit dem sie heute ein eher freundschaftliches Verhältnis pflegt. Die beiden Kinder liebt sie sehr und sie wünscht sich mehr Zeit mit ihnen, was sich aktuell mit dem sehr arbeitsaufwendigen Job jedoch nur schwer vereinbaren lässt. Sie überlegt bereits, ob sie den Konzern verlassen soll, traut sich im Moment jedoch noch nicht. Auf der Arbeitsstelle ist man sehr zufrieden mit ihr. Sie bekommt sehr gutes Feedback von ihren Kollegen und weiß auch, dass sie ihre Arbeit immer zufriedenstellend verrichtet, aber sie ist sich oft vom Gefühl her unsicher, ob sie es schaffen wird.

Kindheit: Als Kind erlebte sie eine massive Ungleichbehandlung ihrem jüngeren Bruder gegenüber. Ihr Vater, der aus Afrika stammt, habe ihm mehr Wert eingeräumt als ihr. Der Bruder genoss auch viele Freiheiten, während ihr Vater von ihr selbst eiserne Disziplin verlangte und ihr kaum Freiraum gab. Ihr Vater war damals über ein Stipendium nach Europa gekommen, als bester von rund eintausend Bewerbern. Er schärfte ihr schon in der Kindheit immer ein, wie wichtig es sei, die Beste zu sein. So wurde sie in der Schule und im Sport immer zu Höchstleistungen gepusht. Sie empfand es in der Vergangenheit immer als sehr mühsam, den Erwartungen des Vaters gerecht zu werden. Sie hatte dabei auch häufig das Gefühl, es ihm nicht recht machen zu können. Das Verhältnis zur Mutter war und ist ungleich besser. Sie war immer sehr liebevoll und warmherzig. Vor zwei Jahren kam es zur Trennung der Eltern, worunter ihr Vater wohl sehr leidet. Er sucht seitdem vermehrt den Kontakt zu ihr. Manchmal beschleicht sie das Gefühl, so etwas wie ein Partnerersatz für ihn zu sein.

Fallfragen

  • Tritt die spezifische Angst isoliert auf oder ist sie Ausdruck einer tieferliegenden Problematik?
  • Welche Rolle spielt die Kindheit für Angsterkrankungen?
  • In welchen Situationen tritt die Angst auf?
  • Muss man zur Behandlung der Angst regressiv arbeiten?


Übungsfall Angst 2: „Nichts geht mehr!“

Ein 42- jähriger Patient stellt sich mit stärksten, willkürlich auftretenden Angstattacken in der Hypnose- Praxis vor. Er fühlt sich zudem müde, gereizt, geradezu grippig. Es bestehen auch starke Schlafstörungen und ein beidseitiges Ohrgeräusch. Eine Hörschädigung besteht jedoch nicht. Der Außendienstmitarbeiter erzählt, dass sein Job extrem stressig gewesen sei und er zuletzt über 200 Kunden für eine Versicherung betreut habe. Die Belastung sei immer größer geworden und er habe kaum noch gewusst, wie er den Job überhaupt bewältigen kann. Vor einem Jahr hat er morgens auf dem Weg ins Büro hat er dann seine erste Angstattacke im Auto erlebt. Es sei fürchterlich gewesen, weil er tatsächlich in diesem Moment dachte, dass er stirbt. Seitdem sei es immer schlimmer geworden. Er hatte dann auch in verschiedenen anderen Situationen Panikattacken gehabt, vor allem in Menschenmengen und geschlossenen Räumen. Seit einem halben Jahr „geht nichts mehr“ bei ihm. Er ist seitdem krankgeschrieben und seine Versicherung macht Druck, dass er sich in eine stationäre Therapie begibt, was er selbst aber ablehnt. Medikamente nimmt er aktuell nicht ein, weil er sich nach eigenen Worten nicht damit vollstopfen lassen möchte. Seine Freundin hat sich von ihm getrennt, sie hätte das alles nicht mehr mitmachen können. Er selbst habe eigentlich einen großen Freundeskreis, der ihn auch immer wieder motiviere, sich zu treffen, aber er will am liebsten gar keinen sehen und schottet sich von anderen Menschen ab. Treffen mit mehreren Personen seien ohnehin extrem stressig für ihn, da er in diesem Kontext ja schon einige Panikattacken erlebt habe.

Kindheit: Der Patient wuchs als Einzelkind mit seinen Eltern auf. Er ist als kleines Kind von seinem Vater häufiger „verkloppt“ worden. Gewalt und fliegende Gegenstände hätten zum Alltag gehört. Sein Vater litt an Kinderlähmung, war sehr überreizt und unzufrieden. Seine Mutter hat viel gearbeitet und er habe viel Zeit alleine verbracht. Mit seinem elften Lebensjahr ließ seine Mutter sich scheiden. Wenig später habe er sich dann gegen die Gewalt des Vaters zur Wehr gesetzt und ihm ein blaues Auge gehauen. Ab diesem Zeitpunkt hat der Vater ihn nicht mehr geschlagen.

Fallfragen

  • Welche Erkrankung liegt vor?
  • Was ist der Auslöser und worin liegt wahrscheinlich die tieferliegende Ursache für den Ausbruch der Angsterkrankung?
  • Auf welchen Zwei Säulen bauen Sie Ihre Hypnosebehandlung auf?
  • Durch welches Werkzeug kann man den Therapieverlauf des offensichtlich innerlich stark übererregten Patienten verbessern und verkürzen?
  • Wobei handelt es sich bei dem Ohrgeräusch und kann man es mit Hypnose behandeln?
  • Mit welcher Behandlungsdauer rechnen Sie?

Übungsfall Übergewicht und Burnout: schwerwiegende Probleme

Ein 45-jähriger Firmeninhaber stellt sich mit Übergewicht und Antriebslosigkeit in der Hypnose-Praxis vor. Zudem bestehen Schlafstörungen, es fällt ihm schwer abzuschalten. Im Vorgespräch bricht der Patient mehrfach in Tränen aus. Er kann einfach nicht mehr. Seiner Frau könne man nichts Recht machen. Es gehe ihr sehr schlecht, da sie sich vom Haushalt überfordert fühle. Sie sei den ganzen Tag damit beschäftigt zu putzen und sei dennoch von Schuldgefühlen geplagt. Auch das Angebot, eine Putzfrau hinzuzuziehen, was die Familie sich leisten könne, lehnt sie ab. Sie sitze den ganzen Tag zu Hause und komme irgendwie nicht in Gange. Er sage ihr, dass das Haus in Ordnung sei, aber sie beklagt sich darüber, dass sie mit dem Putzen nicht mehr hinterherkomme. Eine Psychotherapie lehne sie ab. Außerdem lasse sie ihn nicht mehr an sich ran, da er ihr zu dick sei. Er wolle nun abnehmen, damit sie sich wieder näher kommen können. Er habe bereits mit seiner Frau vor Jahren einmal eine Diät gemeinsam gemacht und darunter auch deutlich abnehmen können. Für seine Frau spiele ihr Gewicht auch eine große Rolle und es sei ihr sehr wichtig, was andere über sie denken.

Zudem gebe es Probleme mit dem Sohn, der zu viel vor dem Computer sitze. Die Entwicklung des Sohnes sei gestört, es gebe auch schulische und soziale Probleme. Er ziehe sich stark zurück und sei auch sehr lethargisch. Gemeinschaftliche Aktivitäten mit dem Sohn und ihm gebe es nicht, dafür sei keine Zeit. Es sei auch keine Zeit, das Essen selber zu kochen oder umzustellen, da er erst spät nach Hause komme, so dass sie meistens Essen bei Lieferdiensten bestellen würden.
In den letzten Jahren habe sich der Patient in seiner zweiten Firma völlig verausgabt, darunter auch stark zugenommen. Im letzten Jahr kam es zum Verkauf der einen Firma, da er einfach nicht mehr konnte und nun führt er gemeinsam mit dem Bruder die andere Firma weiter. Sein Bruder habe sich vor Jahren von seiner Frau getrennt, lebe nun mit seiner Freundin zusammen und sei glücklich. Gelegentlich sehen die beiden sich mit ihren Partnerinnen zum geselligen Spieleabend.

Fallfragen

  • Welche Beschwerdebilder liegen in Ihren Augen vor?
  • Wo lagen und liegen die Belastungsfaktoren?
  • Mit welchem Thema würden Sie die Behandlung zuerst beginnen?
  • Welche Hinweise hinsichtlich seiner Ehefrau und Partnerschaft halten Sie für wichtig?
  • Wie deuten Sie das Übergewicht? Wie behandeln Sie dieses Hauptanliegen des Patienten?
  • Welche vom Patienten beschriebenen Informationen sprechen für das Vorliegen einer Depression?


Übungsfall Selbstwert und Übergewicht: Iss dich glücklich

Am Telefon meldet sich eine 57-jährige Frau, die zwar aufgrund der vielen Bewegung nur leicht übergewichtig ist, jedoch nach eigenen Angaben schon immer ein Problem mit Süßigkeiten hatte. Es kommt sogar vor, dass sie an einem Abend eine ganze Packung (=12) Schokoladenküsse verschlingt. Sie ist überrascht darüber, dass Sie ihr vorschlagen, einen Termin für das Vorgespräch und drei Hypnose-Termine auszumachen. Sie hat anderswo gelesen, dass man das Problem in nur einer Sitzung lösen könne. Sie entgegnen, dass sie es dann gerne dort ausprobieren kann, wenn sie möchte, dass Sie eine einzige Sitzung für die Lösung ihres Problems aber für unrealistisch halten. Sie entschließt sich, die vorgeschlagenen Termine bei Ihnen zu vereinbaren.

Im Vorgespräch erzählt die Patientin, dass sie alles an Süßigkeiten vernichtet, was sie in die Hände bekommt. Wegen ihres Übergewichts sei sie schon in der Schule gehänselt worden. Sie habe schon einige Familienaufstellungen durchgeführt und vor zwei Jahren einmal 17 kg abgenommen. Ihr Ess-Problem hat sich aber nicht dauerhaft gelöst.

Kindheit: Das erste Kind der Eltern, ihre Schwester ist kurz nach der Geburt gestorben. Sie war das zweite Kind, wurde jedoch weitaus weniger wertgeschätzt als der kleine Bruder, der zu Hause wie ein kleiner Prinz behandelt wurde. Ihre Eltern waren sehr autoritär und ließen ihr kaum Freiraum. Umarmt hat man sie nie und körperliche Zuneigung gab es nicht. Sie ist sogar der Meinung, dass man ihren Willen bewusst gebrochen habe. Das Abitur durfte sie von ihrer Mutter aus nicht machen, obwohl sie es unbedingt wollte. Mit ihren Kindern, zwei Söhnen, die mittlerweile erwachsen sind und im Ausland leben, sei sie ganz anders verfahren. Diese habe sie an der langen Leine geführt und sie seien ihr heute sehr dankbar dafür, dass sie so liberal und frei groß werden konnten. Das Verhältnis zu den Kindern ist ausgezeichnet und sie haben regelmäßigen Kontakt.
Das aktuelle Verhältnis zu ihrer Mutter sei eher schlecht. Diese habe viel Wut und viel Groll in sich. Die Patientin kümmert sich heute noch um die Mutter, was sie aber nur mit Widerwillen tue, da die Mutter ziemlich unausstehlich sei. Früher, während ihrer Kindheit, hat die Mutter dafür gesorgt, dass der Vater sie geschlagen hat, wenn sie tagsüber Dinge tat, die die Mutter missbilligte. Der Vater sei von der Mutter als Machtinstrument benutzt worden. Die Mutter war ein Flüchtlingskind und hat selbst nicht studiert. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt gestorben.
Im Vergleich zu ihrem Bruder zu Hause früher ungleich behandelt worden zu sein, das bringe sie zum Fressen. Heute noch halte der Bruder sich aus den Pflegeangelegenheiten der Mutter weitgehend heraus und ernte dennoch immer Lob und Dank, wenn er zu Besuch komme. Ihr Einsatz jedoch wird von der Mutter keinesfalls honoriert. Es wird einfach als selbstverständlich hingenommen, dass sie hilft und sich aufopfert.

Die Ehe zu ihrem Mann, dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, laufe gut. Dort gebe es keine Probleme.

Fallfragen

  • Wie viele Hypnose-Sitzungen benötigt man bei Übergewicht?
  • Seit wann besteht das Ess-Problem?
  • Wie sind bereits gescheiterte Diäten und Vorbehandlungen zu werten?
  • Welche Bedeutung hat Übergewicht als Symptom eines tieferliegenden Problems?
  • Inwiefern kann die Kindheit der Eltern von Patienten für das Übergewicht und psychische Probleme relevant sein?
  • Können aktuelle Belastungen Übergewicht bedingen oder verstärken?


Übungsfall Burnout: Zu viel ist zu viel

Ein 30-jähriger Patient stellt sich mit unter Stress vermehrt auftretendem Schwindelgefühl sowie Antriebslosigkeit und leichten Schlafstörungen in der Hypnose-Praxis vor. Die letzten drei Jahre sind sehr anstrengend für ihn gewesen. Parallel hat er in einem Wirtschaftsunternehmen gearbeitet, seine Doktorarbeit abgeschlossen und für eine Weiterbildungsprüfung gelernt. Er habe eigentlich immer in seinem Leben einen Plan gehabt, wie es weiter geht, aber durch die Dreifach-Belastung habe er nicht mehr gewusst, wie er das schaffen soll. Zu dem Zeitpunkt sei auch der Drehschwindel erstmalig aufgetreten.
Nach Abschluss der Weiterbildungsprüfung und der Doktorarbeit habe er versucht, weiter zu arbeiten, was aber nicht ging, weil er sich total antriebslos und erschöpft fühlte. Die Erschöpfung sei zeitweise so groß gewesen, dass er manchmal nicht mal mehr die Kraft aufgebracht hätte, um sich selber Essen zu machen. Aktuell ist er in der Firma seines Vaters angestellt. Existenzängste hätten sich im Rahmen der Erkrankung bemerkbar gemacht. Im letzten Jahr kam es mehrfach zu kurzfristigen Krankschreibungen, die aber keinerlei Besserung gebracht hätten. Es folgte ein dreimonatiger stationärer Aufenthalt in einer tiefenpsychologisch orientiert arbeitenden Einrichtung. Unter der Behandlung sei es zu einigen wichtigen Erkenntnissen gekommen, aber seine Antriebslosigkeit bestehe weiterhin. Auch wacht er häufig früh morgens auf und fängt dann an zu grübeln. Die Schwindelgefühle machen ihm das Leben schwer, seien aber besser geworden im Laufe des Jahres. Neurologisch konnten keine Auffälligkeiten gefunden werden.
Weiter berichtet der Patient, dass er sich vor allem über seine Leistung definiere und es ihm enorm wichtig sei, dass Menschen, die ihn kennenlernen, seinen bisherigen (erfolgreichen) Lebenslauf kennen. Für ihn sei nicht vorstellbar, dass Menschen ihn einfach nur mögen, ohne dass er etwas besonders vorzuweisen habe. Schon in der Kindheit sei er mit großem Eifer seiner Lieblingssportart nachgegangen. Es sei ihm immer sehr wichtig gewesen, neue Rekorde aufzustellen. Sein Vater habe ihn am Wochenende bei den Wettkämpfen begleitet. Er hat eine vier Jahre ältere Schwester, auf die sich die meiste Aufmerksamkeit in der Familie richtete. Er hatte immer das Gefühl, dass sie die Kluge und er der Dumme war, da sie aufgrund ihres Alters schon immer mehr wusste als er. Beim Abendessen hat sich die Aufmerksamkeit auf seine Schwester und deren schulische Leistungen gerichtet. Als Kind sei ihm häufig sehr langweilig gewesen, weil sich niemand gekümmert habe. Der Vater sei erst abends nach Hause gekommen und hätte dann wenig Zeit gehabt. Die Mutter, die als Lehrerin arbeitete, sei zwar schon nachmittags zuhause gewesen, habe sich dann die meiste Zeit aber in ihrem Arbeitszimmer aufgehalten, so dass er alleine war.
Auf die Frage nach dem Gesundheitszustand der Eltern gibt der Sohn an, dass seine Mutter wohl schon lange Zeit unter einer Depression leide. Ihre Eltern hätten unbedingt einen Sohn haben wollen und hätten sie die Enttäuschung darüber, dass sie nur ein Mädchen war, deutlich spüren lassen. Mit der Geburt der jüngeren Brüder habe sie zuhause die Dienstmagd spielen müssen und viel weniger Beachtung von den Eltern erfahren als ihre Brüder. In ihrer Arbeit als Lehrerin habe die Mutter viel erreicht und sei sehr anerkannt gewesen. Sie war in der Lage, auch schwierige Kinder zu führen und erntete dadurch große Anerkennung bei ihren Kollegen. Nach einem Wechsel des Schulleiters wurde die Mutter in Frührente geschickt und wurde daraufhin depressiv.
Das Verhältnis des Patienten zur Mutter ist angespannt und es komme vielfach zu Streit. Die Mutter strafe mit Ignorierung und Liebesentzug, lasse ihn richtig leiden. Er komme sich dann vor wie ein kleines Kind, das bildlich gesprochen, auf den Knien vor der Mutter rumwinsele, um sich wieder mit ihr auszusöhnen. Der Patient erinnert auch, dass in seiner Kindheit Bestrafung durch Liebesentzug eine große Rolle gespielt hätte. Er ist auch von beiden Elternteilen geschlagen worden. Früher habe er immer die Schuld dafür bei sich gesehen, was allmählich beginne, sich zu verändern. Er sei aber auch kein leichtes Kind gewesen. Der Patient hat seit mehreren Monaten den Kontakt zur Mutter abgebrochen, was ihm auch gut tue.
Im Rahmen eines Meditationskurses sei der Patient an ein Bild von sich als Baby gekommen und habe daraufhin starke Traurigkeit wahrgenommen, die er heute immer noch spüre. Er beschreibt dabei ein Gefühl, das im Brustkorb sitze und das tiefe Einatmen blockiere. Manchmal schnürt sich auch der Hals zu.
Er frage sich außerdem, ob er in die Tiefenhypnose käme, da er das Denken schlecht unterbinden und sich nicht so gut konzentrieren könne. Der Patient wundert sich, dass er sich immer noch so wenig belastbar fühle, obwohl doch die berufliche Belastung deutlich geringer geworden sei.

Fallfragen

  • Welches Erkrankungsbild liegt vor?
  • Was ist in Ihren Augen die aktuelle Ursache für die Beschwerden?
  • Welches eigentliche Problem hat zur Überbelastung des Patienten geführt?
  • Wie ist Ihre Planung für die hypnotherapeutische Behandlung des Patienten?
  • Wie schätzen Sie den Zeitrahmen für die Behandlung ein?
  • Nennen Sie drei mögliche Stimulationswege, um den Patienten in der Hypnose zu Abreaktionen zu bringen.
  • Wo finden sich Ressourcen, die sich intrahypnotisch verwenden lassen?
  • Was sagen Sie dem Patienten zu seiner Skepsis, ob er die Tiefenhypnose erreichen kann?


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